Besuch in Leer beim Maritimen Technikum und Schiffssimulator




Die jüngste Exkursion des Nautischen Verein Wilhelmshaven – Jade e.V. ging nach Leer dem zweitgrößten Reedereistandort in Deutschland. Dort wurden das „Maritime Technikum“ der Hochschule Emden / Leer und der Schiffsführungssimulator der Firma „Nautitec“ besucht.
Die Teilnehmer erhielten umfangreiche Informationen über Aufbau und Planungen der „Hartmann Reederei“, den Simulationsprojekten der Fa. „Nautitec“ sowie verschiedenen Forschungsprojekten im „Maritimen Technikum“.
Begrüßt wurde die Gruppe von Georg Haase, Managing Direktor der „Hartmann Reederei“, der die Exkursion gemeinsam mit Gottfried Hoch und Josef Schöning vom Nautischen Verein organisierte.
Die „Hartmann Reederei“ hat eine Flotte von modernsten Gastankern und Containerschiffen. Für den Zeitraum von 2023 – 2028 ist der Zulauf von 21 Neubauten geplant. Alle Schiffe sind nach modernsten Gesichtspunkten hinsichtlich des Umweltschutzes und der Energieeffizienz konstruiert.
Die Ausbildung von eigenem Personal wird bei der „Hartmann Reederei“ großgeschrieben. Ein Ausbildungsschiff befindet sich in Planung. Die kurze Verweilzeit von Seeleuten in der Seefahrt mit Abwanderung in Sekundärberufe, wie z.B. zu den Lotsen oder in Verwaltungen, wird als problematisch angesehen.
Der Geschäftsführer der Firma „Nautitec“, Finn Kosel, informierte über den Schiffsführungssimulator und den zahlreichen nationalen und internationalen Projekten. Insgesamt stehen 5 unterschiedlich große Schiffsbrücken zur Verfügung. In einer virtuellen Werft können Schiffsmodelle sowie Reviere für die unterschiedlichen Simulationen erstellt werden. Auch diverse Hafenprojekte in Wilhelmshaven, wie z.B. die LNG-Anleger wurden hier simulationstechnisch untersucht. Seit 2022 besteht ein Kooperationsvertrag mit der Hochschule Emden / Leer zur Ausbildung von Schiffsoffizieren.
Jann Strybny, Professor von der Hochschule Emden / Leer, informierte umfangreich über die Projekte des „Maritimen Technikums“. Dabei stehen LNG-Antriebe und Projekte zu Windhybridsystemen (z.B. mit Zugdrachen oder Flettner-Rotoren) im Mittelpunkt. Neben Studien im Manöverbecken sind Messungen komplexer schiffsbetrieblicher, nautischer und materialwissenschaftlicher Parameter auf Schiffen möglich.
Die Teilnehmer waren sichtlich beeindruckt von den Vorträgen und Einblicken. Sie konnten sich vor Ort von den praktischen Möglichkeiten überzeugen. Im Simulator selber konnten die eigenen Fähigkeiten im heimischen Revier der Jade unter unterschiedlichen Bedingungen wie Seegang, Regen, Schneefall oder Nebel ausgetestet werden.
Zum Ausklang des Exkurses wurde dann ein gemeinsames Essen in einem Lokal am Leeraner Hafen eingenommen.
„Die Einsätze des Seenotretter unter besonderer Berücksichtigung des Station Wilhelmshaven der DzGRS“



Die Einsätze der Seenotretter unter besonderer Berücksichtigung der Station der DGzRS Whv mit der PETER HABIG.
Den letzten Vortrag in diesem Jahr widmete der Nautische Verein Wilhelmshaven - Jade e.V. dem Thema " SEENOTRETTER" der DGzRS.
Für den erkrankten Vormann des in Wilhelmshaven beheimateten Seenotrettungsbootes PETER HABIG, Stephan von Wecheln, ist Thomas Baumgärtel eingesprungen, gebürtiger Wilhelmshavener und jetzt DGzRS-Ausbilder an der Seenotretter Akademie der DGzRS in Bremen. Dort ist er als Ausbilder im Bereich der Trainingsflotte und an Bord des Trainingsschiffes CARLO SCHNEIDER eingesetzt.
Nachdem der Referent kurz seinen Werdegang geschildert hatte, wurde in einem kurzen Film die Entwicklung und die Leistungsbilanz der DGzRS seit 160 Jahren, die aktuelle Arbeit auf See und an Land, in der Zentrale, in der Ausbildung und in der Werft, dargestellt. Seit 150 Jahren sorgen die im ganzen Bundesgebiet verteilten Sammelschiffchen für die finanzielle Grundlage der Gesellschaft, die sich nur aus Spenden finanziert, aber in Deutschland in 53 Stationen mit 60 Rettungseinheiten und 180 fest Angestellten, 800 Freiwilligen und 650 Ehrenamtlichen seit der Gründung 1865 schon mehr als 87.000 Menschenleben gerettet hat und damit 24/7/365 einen hoheitlichen Auftrag erfüllt ! In anderen Ländern wird diese Aufgabe von der (staatlichen) Küstenwache übernommen.
Wir alle kennen nur noch aus Bildern die Rettungskutter aus Holz, die von Pferden in die Brandung gezogen und dann mit Riemen zum Havaristen gepullt wurden - heute undenkbar!
Kurz schilderte der Referent die wechselvolle Geschichte der Station Wilhelmshaven:
Bereits 1868 wurde die Station HEPPENS gegründet. 1869 ( Stadtgründung) Umbenennung zur Station WILHELMSHAVEN, 1870 erstes hölzernes Ruder Rettungsboot ( Peake Boot), schon 1876 ersetzt, weil morsch! 1877 wurde ein Rettungsschuppen am Torpedohafen fertiggestellt, der aber schon Ende 1888 ersetzt wurde durch einen Rettungsschuppen mit Kran an der Schleuse zum Neuen Hafen.
1901 wurde eine Raketenstation erstellt, aber bereits 1921 wieder aufgelöst.
1930 wurde das erste Motorrettungsboot, LOTSENKOMMANDEUR VON KROHN, in Dienst gestellt, und erst 1969 folgte SK HANS LÜKEN.
Es folgten 1980 SK EISWETTE, 1989 SK VORMANN STEFFENS, 1993 OTTO BEHR und 2019 wurde PETER HABIG hier getauft .
Die ersten Einheiten nach dem 2. Weltkrieg waren Boote mit offener Brücke. Doch die Einsatzgebiete wurden immer größer, die Anfahrten immer länger, sodass sich dann bei den neueren Einheiten der gedeckte Steuerstand (für die Anfahrt mit hoher Fahrt) und die offene Brücke (für den Einsatz vor Ort) durchgesetzt hat.
Die Größe der Einheiten ist vom Einsatzgebiet abhängig:
So liegt die HERRMANN MARWEDE, ein 46m-Boot, 25kn schneller Seenotrettungskreuzer mit 9250 PS auf 3 Wellen mit 16 Mann Besatzung, ständig einsatzbereit in Helgoland.
Dies ist die größte Einheit - insgesamt sind 9 Schiffstypen im Einsatz, von 46m Länge bis zum 8,4m Seenotrettungsboot.
Der Referent stellte alle diese Schiffstypen vor und erläuterte deren spezifische Besonderheiten. Er machte auch deutlich, dass die Bootstypen ständig weiter entwickelt, optimiert und ap die neuen Herausforderungen angepasst werden.
In der Erprobung befindet sich ein Boot mit Jet Antrieb ( 12,5×4,2x 0,76m 2x425 PS , reicht für 35 Kn!) Auch die (kostspielige) Ausrüstung der Besatzung muss ständig verbessert werden ( Brandbekämpfung, Kälteschutzanzug).
PETER HABIG, Seenotrettungsboot, stationiert im Fluthafen, Mittelbrücke in Wilhelmshaven, gehört zu einer Flotte von 35 gleichartigen Einheiten, die speziell für den Flachwasserbereich und für das Wattenmeer konstruiert wurden (Länge 10,01m, Breite 3,6 m / Tiefgang 0,96m, 380 PS, Geschwindigkeit 18 kn!)
Die Alarmierung der Freiwilligen der Station erfolgt über eine extra App, über eine Checkliste wird ermittelt, wer am schnellsten vor Ort ist, und mit 3 Mann startet dann das Boot zum Einsatz .
Die Station Wilhelmshaven verfügt über 23 Freiwillige (3 Frauen, 10 Bootsführer, 8 Rettungsmänner/ -frauen,1 Trainee und 4 Personen, die nicht mehr fahren).
Die Teilnahme am Einsatz ist grundsätzlich freiwillig!
Für die Einsätze werden keine Rechnungen ausgestellt! Viele der Geretteten werden später Mitglied und Spender!
Der Referent erläuterte auch die Ausbildung, die bis zum Beruf führen kann.
Trainiert wird immer wieder am Simulator in Bremen und an der Schiffs-Sicherungs-Schule in Neustadt/ Holstein.
Jährlich werden im Rahmen einer SAR-EX gemeinsame Übungen in Nord-und Ostsee durchgeführt, auch mit der Feuerwehr, mit Handelsschiffen, Hubschraubern, Kreuzfahrtschiffen und an Windkraftanlagen.
Die Koordination erfolgt immer von der Rettungsleitstelle See, aber auch zusammen mit dem Havariekommando.
Höhepunkt ist der TAG DER SEENOTRETTER am letzten Sonntag im Juli - ein Tag der offenen Tür.
Das Motto : Wir fahren nicht raus, um unser Leben zu riskieren!
Wir fahren raus, um uns für das Leben anderer einzusetzen!
Nach den ausführlichen Schilderungen des Referenten wurden noch geduldig viele Fragen aus dem Publikum beantwortet.
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Klaus Niderehe
NV Whv-Jade e.V. 2.Schriftfhr.
